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Die Beziehung

 

WENN DER HUND MEINT, ER SEI AUCH EIN MENSCH

Dr. Paul Bruno Zehnder



Es ist so unglaublich interessant, die Reaktionen der Hunde zu analysieren, wenn man genügend Zeit und Musse finden kann , möglichst viel für sie da zu sein.

Früher hatte ich immer Vorstehhunde, welche wegen meines tagtäglichen Arbeitspensums halt im Zwinger weilen mussten, bis es dann Abend wurde und wir Zeit fanden für alles Gemeinsame.

Nun, im höheren Alter und ohne Erwerbsstress darf ich behaupten, dass die Beziehung Meister – Hund sich so intensiviert hat, dass ich meine, dem einen oder anderen Hundeliebhaber mit meinen vielfältigen Erfahrungen etwas bringen zu können.

Nach sehr traurigem Verlust meiner letzten beiden Grossen Münsterländer wollte meine Gattin nichts mehr von grossen Hunden wissen, welche mit ihren weissen Haaren ihre Vorstellung von sauberen Teppichen allzu oft gedämpft hatten.

So kam für mich eine sehr trostlose Zeit, weil mein Alltag ohne Hund arg beschnitten wurde und auch jede jagdliche Tätigkeit fraglich wurde, denn zur Ausübung der Jagd gehörte für mich immer ein firmer Hund dazu.   

                                                            

Schliesslich studierten wir das Schweizer Hundemagazin , wo uns im Inseratenteil zwei reizende Border Terrier Welpen in die Augen stachen . So fanden wir schon am gleichen Tage Zugang zu einer sehr bekannten Border Terrier Zucht, wo vor kurzem sechs Welpen geboren worden waren.

Und nun haben wir schon über vier Jahre unsere Traumhündin , welche uns vom ersten Tage an nicht nur im Banne hält , sondern uns auch immer wieder mit ihren Reaktionen erfreut, indem sie uns oft recht ungestüm zu verstehen gibt , dass sie als ebenbürtiges Familienmitglied gelten will. Vom ersten Tage unserer Begegnung an hat mich die kleine Bohne als Alphatier und Bezugsperson in ihr Herz geschlossen und in der Folge haben wir beide zu einer seltenen Einheit gegenseitigen Verstehens gefunden. Obwohl die kleine Borderdame aus einer reinen Schönheitszucht stammt, hat sie doch genug Terrierblut in sich, um mir auch in allen jagdlichen Belangen unersetzlich zu sein.

                          

Nun ist es halt wohl mit allen heissgeliebten und wahrscheinlich auch ebenso verwöhnten Hunden so, dass sie mit der Zeit gegen alles Eifersuchtsreaktionen zeigen, wenn Zuneigungen geschenkt werden, welche nicht sie betreffen.

Einmal war ich mit meiner Frau friedlich am Nachtessen in einem Bergrestaurant . Wir hatten unsere Kitty artig unter dem Tisch abgelegt, wo sie sich sehr still verhielt, obwohl sie zuhause immer neben mir auf der Eckbank sitzen darf. Letzteres aber auch nur, wenn kein Besuch da ist, welchen es ärgern könnte !

Da kam ein gepflegter älterer Herr herein mit einem Bild von einem Border Terrier. Natürlich kamen wir als Liebhaber der gleichen Rasse gleich in ein reges Hundegespräch, wobei mir der erwähnte Tischnachbar erzählte, seine Hündin sei erst sechs Monate alt und schon in der ersten Hitze.
Das reizend schöne Bordermädchen war kleiner als unsere Kitty, aber zugegebenermassen noch schöner im Haar, und es reizte mich , hinüber zu gehen, um es zu streicheln.

Ich hatte es noch nicht berührt und nur ganz leise gesagt, „bist du aber ein reizendes Hundchen“, als unsere, sonst so friedliche vierläufige „Tochter“ der kleinen Schönheit blitzartig an den Kragen wollte.

Zu meinem grossen Glück war der Hundeführer ein sehr verständiger Mensch und meinte, es könne wohl mit der Läufigkeit seiner Hündin zu tun haben, dass meine so unverhofft aggressiv geworden sei !

Ich liess ihn gerne bei seiner Meinung, wohl wissend , dass meine Kitty mit unserer Intensivbindung halt eine recht eifersüchtige Dame geworden ist.

Mit einem reizenden siebten Enkeltöchterlein beschenkt, machte ich mir ernsthafte Sorgen, was wohl geschehen könnte, wenn unser Jüngster mit ihm aufkreuzen würde.

Bald war es soweit, und ich bat unser jüngstes Edelpärchen , bei der ersten Begegnung mit unserer „Hausdame“ ja vorsichtig zu sein. Um alles ein wenig profimässig anzugehen, nahm ich das liebe Paulinchen in den Arm, wobei ich mit der rechten Hand zugleich die herbeigeeilte Kitty streichelte, um beide mit den gleichen Liebkosungern zu beehren, was dann auch hinhaute. Dann sass ich bald am Boden mit den beiden Lieblingen an meiner Seite und hoffte sehr, unser Hund würde sofort verstehen, dass der liebe Säugling nun halt auch in unsere engere Gemeinschaft gehöre.

Bald darauf lag unser Sohn mit seinem heissgeliebten Baby auf dem Sofa, wobei er es fest an sich gedrückt, mit dem Köpfchen zwischen Hals und Schulter liebkoste. Sofort musste unsere Kitty natürlich auch aufs Sofa, um genau zu beobachten, was da vor sich ging.

Was ist da wohl alles durch das struppige Köpfchen gegangen ?

Das Weekend in der Bergwohnung war dann sehr harmonisch verlaufen und die Kleine versuchte auch recht bald, mehr oder weniger feinfühlend das vierbeinige Wesen als ihr neues Spielzeug zu betrachten.

Anderntags, wir waren wieder daheim, schauten wir wie üblich die Tagesschau im Fernsehen, als unsere Kitty urplötzlich auf mich hinauf sprang und ihr Köpfchen in meine Halsgrube schmiegte , wie wenn sie mir sagen wollte „schau ich bin doch auch dein Baby“ !

Wenn die älteren Enkel, welche so gerne mit unserer Kitty spielen und umher tollen, erst im Garten sind und noch nicht einmal geläutet haben, bricht unsere Bohne schon in lautes Freudengeheul aus.
Ganz anders, wenn das kleine Baby kommt ! Dann macht sie zu Beginn der Begrüssung meist ein verdriessliches Gesicht, wie wenn sie sagen wollte: „Ach, jetzt geht die blöde Schmuserei wieder los!"

Endlich, nach geraumer Zeit, waren die Jungen wieder mit dem reizenden Paulinchen bei uns, wobei das heissgeliebte Baby, welches eben die ersten Schritte erlernt hatte, sofort auf Kitty zustolperte, welche ihm aber geflissentlich auswich. Doch dann, als die umsorgende Mama der Kleinen auf dem Sofa ihren Z’nacht geben wollte, rief sie laut „nei nei“, glitt vom Sofa und begann mit grosser Freude alle für sie gewärmten „Hörnli“ und Fleischstücke ihrem geliebten Hundchen zu verfüttern.

                                                                            
                                                                                                                                                                  
              

Wenn wir der Kitty irgend einen Happen zustecken, dann schnappt sie meist vehement darnach, aber mit dem Baby war alles anders. Ganz behutsam saugte sie das Dargebotene mit einer nie gesehenen Feinfühligkeit aus dem kleinen Patschhändchen, wobei ich es mir nicht nehmen liess, eine ganze Serie von Bildern aufzunehmen.

                                                                                                                      

So wird nun unser kleinstes Familienmitglied auch bald wie alle anderen von unserem Bordermädchen als gleichwertig akzeptiert werden und wir hoffen sehr, dass damit auch die grosse Eifersucht gedämmt werden kann.

Wenn Sie mehr erfahren wollen, wie man als Hundeflüsterer so vieles erreichen kann im Zusammenleben mit ihrem geliebten Hund, darf ich Ihnen mein Hundebuch:


JAGDERLEBNISSE MIT KITTY
LIFE IS MERRIER WITH A BORDER TERRIER
empfehlen . (ISBN 3-938071-90-7)

Viel Spass !

 

 23. April 2008

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